Microsoft hat App-Passwords für consumer-Outlook im September 2024 abgeschaltet. Diese Welle bringt OAuth2/XOAUTH2-Support als zweiten AuthMethod-Pfad — Gmail/ iCloud/GMX/Yahoo bleiben unangetastet auf App-Password. Backend (rebreak-backend): - POST /api/mail/oauth/microsoft/init: PKCE-Flow-Start, generiert code_verifier + Authorization-URL, persistiert pending state mit TTL - POST /api/mail/oauth/microsoft/callback: Token-Exchange (PKCE, kein client_secret weil Public Client), id_token-Decode für Email, MailConnection upsert mit auth_method='oauth2_microsoft' + encrypted Tokens - Token-Refresh-Util backend/server/utils/ms-oauth.ts + DB-Function refreshAndSaveTokens(connectionId, clientId) mit optimistic-concurrency- Race-Condition-Schutz (UPDATE WHERE oauth_token_expiry = <gelesener-wert>, bei affected_rows=0 → frischen Wert lesen statt nochmal refreshen sonst invalid_grant via Token-Rotation) - Neue Tabelle oauth_pending_states (TTL via createdAt + Cleanup-Job-TODO) - [id].delete.ts: echter OAuth-Disconnect — DB-Token-Löschung + Audit-Log (MS hat keinen Drittanbieter-Revoke-Endpoint, daher User-Information-Pflicht per Frontend-Modal, siehe DSB-Memo Section 5.1) - Consent-Gate auch in scan.post.ts + scan-internal.post.ts (Cron-Trigger war ohne Consent-Check = DSGVO-Lücke, jetzt geschlossen mit skippedNoConsent-Field in Response) IDLE-Daemon (backend/imap-idle/index.mjs, mo): - XOAUTH2-Auth-Branch via getCredentialsForConnection() — wenn auth_method='oauth2_microsoft', Token-Expiry-Check (<5min remaining → proaktiver Refresh), sonst decrypted accessToken zu ImapFlow - AUTHENTICATIONFAILED-Recovery: bis 3× reaktiv refresh + reconnect, danach last_connect_error='auth_revoked' (kein Endlos-Loop) - IDLE_RENEW_INTERVAL_MS = 10min — passt für MS 29min-Timeout (gleich wie Gmail/iCloud) - Consent-Pause: Connections mit consent_at=null laufen IDLE weiter (für exists-Event-Wiederaufnahme), aber triggerScan() ist deaktiviert bis consent erteilt - start-idle-staging.sh: MS_OAUTH_CLIENT_ID explizit weiterleiten in den inneren bash -c-Block (war Infisical-Var, ging aber durch strict-mode verloren) Frontend (rebreak-native-ui): - Outlook-Tile re-aktiviert (war disabled mit "Kommt bald" seit Sept-2024- Awareness), authMethod-Discriminator löst statt Email+Pw-Form den OAuth-Flow aus - ConnectMailSheet: neuer view-State 'oauth_warning' (Outing-Effekt-Hinweis per Hans-Müller-Memo Section 6.1) + 'oauth_pending' (Browser-Step-Spinner) - Deep-Link-Handler app/auth/mail-oauth-callback.tsx — auto-registriert durch expo-router-File-Routing, kein Native-Rebuild (scheme 'rebreak' schon im app.config.ts) - mailConnectDraft-Store: pendingOAuthConnectionId für Title-Edit-Sheet direkt nach Connect - MailAccountCard: Password-Row hidden für OAuth-Connections, Post-Disconnect- Modal mit MS-Account-Anleitung (DSB-konform — kompensiert fehlenden Drittanbieter-Revoke-Endpoint mit User-Information) Hans-Müller-DSB-Memo (mail-outlook-oauth-dsgvo-review.md): - Section 4.1 Datenschutzerklärung-Textbaustein: "Wir widerrufen den Token aktiv bei Microsoft"-Satz raus (war faktisch falsch — MS hat keinen Drittanbieter-Revoke). Neuer Wortlaut: DB-Löschung + User-Anleitung account.microsoft.com → Sicherheit → App-Berechtigungen - Section 4.1: User.Read-Scope offen dokumentiert mit Datenminimierungs- Klausel (Scope breiter, wir nutzen NUR Display-Name + Email-Claim) - Section 5.1: ehrliche Doku dass MS keinen RFC-7009-Revoke hat - Section 9 Anwalts-Themen: neue Frage 5 zur Art. 17-Erfüllung trotz fehlendem MS-Revoke Architektur-Eigenschaften: - Generisches AuthMethod-Framework — Gmail/iCloud/Yahoo können später als reine Config-Erweiterung OAuth bekommen, kein Refactor nötig - Token-Encryption via bestehendes crypto.ts (AES-256-GCM, Key aus Infisical) - Consent-Gate konsistent: ConnectMailSheet-Consent-Step VOR Provider- Auswahl (Frontend), backend-Endpoint 412 wenn consent fehlt, Daemon + Scan-Endpoints pausieren bei consent_at=null Open follow-ups: - oauth_pending_states-Cleanup-Cron für abgelaufene Entries (TODO im Backend-Code dokumentiert) - Anwalts-Klärung Hans-Müller Section 9 (DPA-Anspruch ohne MS-Lizenz + Art. 17 mit User-Information statt Revoke-Endpoint) - TIA (Transfer Impact Assessment) für MS-Sub-AV — Hans-Müller-Draft-Aufgabe - Outlook-Tile-Wieder-Aktivierung ist live, aber Phase-1-Production-Test steht aus (User Test auf iPhone nach Pipeline-Deploy) Co-Authored-By: Claude Opus 4.7 (1M context) <noreply@anthropic.com>
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Datenschutz-Memo: Microsoft als Sub-Auftragsverarbeiter (Outlook-IMAP-OAuth)
An: Chahine Brini (Geschäftsführung, Rebreak) Von: Hans Müller, externer Datenschutzbeauftragter Datum: 2026-05-13 Betreff: DSGVO-Review Outlook-IMAP-OAuth-Integration (Mail-Auto-Delete-Feature) Klassifikation: Internes Compliance-Memo, kein Rechtsrat
1. Gesamteinschätzung (Executive Summary)
Risiko-Klasse: Mittel — vorausgesetzt, die unten genannten Pflichten werden vor Live-Schaltung erledigt.
- Die OAuth2-Integration ist datenschutzrechtlich günstiger als die bisherige App-Passwort-Lösung (granular widerrufbare Scopes, Token-Rotation, kein Klartext-Credential bei Rebreak).
- Microsoft ist als Auftragsverarbeiter für Exchange Online seit Februar 2025 vollständig im EU Data Boundary — der Drittland-Transfer ist damit deutlich entschärft, aber nicht vollständig eliminiert (Support-Zugriffe, Telemetrie, Identity-Platform-Subsysteme können noch US-Routing enthalten).
- Microsofts Standard-DPA (Stand September 2025) erfüllt die Art. 28-Anforderungen formal — eine eigenständige Vertragsunterzeichnung ist für Consumer-/Free-Tier-OAuth in der Regel nicht möglich; die DPA gilt qua Akzeptanz der Microsoft Services Agreement bzw. App-Registration-Bedingungen. Dies sollten Sie einmal anwaltlich verifizieren lassen, da Rebreak hier als „Partner" und nicht als zahlender M365-Tenant agiert.
- Kein Blocker für Go-Live, aber Pflicht-Aufgaben (VVT, Datenschutzerklärung, User-Einwilligungstext, vollständige DB-seitige Token-Löschung + User-Information zum manuellen Entfernen unter
account.microsoft.com, siehe Section 5.1) vor Aktivierung.
2. Sub-Auftragsverarbeiter-Konstellation (Art. 28 DSGVO)
2.1 Rolle von Microsoft
| Datenfluss | Rolle Microsoft | Rolle Rebreak |
|---|---|---|
User loggt sich bei login.microsoftonline.com ein (Browser → MS) |
Verantwortlicher für das Microsoft-Konto des Users (eigene Privacy-Policy) | nicht beteiligt |
MS gibt auth_code an Rebreak-Backend zurück |
Verantwortlicher (User → MS, MS-Datenschutzerklärung) | wird hier zum Empfänger |
Token-Storage + IMAP-Calls Rebreak → outlook.office365.com mit XOAUTH2 |
Auftragsverarbeiter (verarbeitet Mailbox-Inhalt im Auftrag Rebreaks) | Verantwortlicher |
| Rebreak liest/löscht Glücksspiel-Mails | reine Speicher-/Übermittlungsfunktion | Verantwortlicher mit Art. 9-Daten-Verarbeitung |
Konsequenz: Microsoft ist im Sinne des Mail-Auto-Delete-Features ein Auftragsverarbeiter Rebreaks (Art. 28) — aber nur für die IMAP-/Postfach-Verarbeitung. Der OAuth-Identity-Vorgang selbst ist ein eigenverantwortliches Microsoft-Geschäft gegenüber dem Endnutzer.
2.2 Rechtsgrundlage für die Sub-AV-Beauftragung
Microsofts „Products and Services Data Protection Addendum (DPA)" in der Version September 2025 erfüllt die Mindestanforderungen aus Art. 28 Abs. 3 DSGVO formal.
Wichtige Einschränkung — anwaltliche Klärung empfohlen: Die DPA bindet Microsoft typischerweise nur gegenüber lizenzierten Customers (M365-Tenants). Für eine reine OAuth-App-Registration ohne kommerzielle MS-Lizenz greifen die Microsoft Services Agreement sowie die API Terms of Use. Hier ist nicht trivial, ob Rebreak einen DPA-Anspruch für die IMAP-Verarbeitung der Consumer-Postfächer der Endnutzer hat.
→ Empfehlung: Diese spezifische Konstellation („Anti-Sucht-App liest fremde Consumer-Postfächer via OAuth") anwaltlich prüfen lassen (1-2 Stunden Aufwand).
2.3 Drittland-Transfer (Kapitel V DSGVO)
Gute Nachricht: Microsoft hat das EU Data Boundary im Februar 2025 abgeschlossen. Exchange Online (und damit outlook.office365.com) speichert und verarbeitet Kunden- und pseudonymisierte personenbezogene Daten innerhalb der EU/EFTA.
Verbleibende Drittland-Aspekte:
- Microsoft Identity Platform (
login.microsoftonline.com) ist eine globale Identitäts-Infrastruktur. Token-Refresh-Calls können je nach geografischer Routing-Policy auch US-Endpoints erreichen. - Support-/Engineering-Zugriffe durch nicht-EU-Personal sind durch das im November 2025 eingeführte Data Guardian-Programm zwar EU-überwacht, aber nicht ausgeschlossen.
- Telemetrie/Diagnostik kann residuale US-Übermittlungen enthalten.
Konsequenz:
- EU-Standardvertragsklauseln (SCC) 2021/914 als Anhang zur DPA — Modul 2/3.
- EU-US Data Privacy Framework (DPF), Microsoft ist gelistet.
- Ein eigenständiges Transfer-Impact-Assessment (TIA) ist erforderlich, aber leicht erstellbar.
→ Empfehlung TIA: 2-3 Seiten, Template nach EDSA Recommendations 01/2020.
3. Verarbeitungsverzeichnis (Art. 30 DSGVO)
3.1 Neue VVT-Zeile „Outlook-Mail-Anbindung via OAuth2"
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Bezeichnung | Outlook-IMAP-Anbindung via Microsoft Identity Platform (OAuth2) |
| Zweck | Erkennung und Löschung von Glücksspiel-Werbemails im Nutzer-Postfach (Sucht-Trigger-Minimierung) |
| Rechtsgrundlage | Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO (Vertragserfüllung) i.V.m. Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO (ausdrückliche Einwilligung) — Wechsel auf Art. 9 Abs. 2 lit. h bei DiGA-Listung |
| Betroffene Personen | Registrierte Rebreak-Nutzer mit Microsoft-Consumer-Postfach (outlook.com, hotmail.com, live.com, msn.com) |
| Datenkategorien (Art. 6) | E-Mail-Adresse des Microsoft-Kontos, Display-Name des Microsoft-Kontos, OAuth-Access-Token, OAuth-Refresh-Token, Token-Ablaufdatum, technische Verbindungs-Metadaten (IMAP-Session-Logs) |
| Datenkategorien (Art. 9) | Indirekt: Verbindung „MS-Account-Inhaber X nutzt Anti-Glücksspiel-App" → Rückschluss auf Suchterkrankung möglich (siehe Abschnitt 6) |
| Empfänger / Sub-AV | Microsoft Ireland Operations Ltd., One Microsoft Place, South County Business Park, Leopardstown, Dublin 18, Irland |
| Drittland-Transfer | Primär EU (EU Data Boundary, Exchange Online), residuale Transfers in USA für Identity-Platform/Support (SCCs 2021/914 + EU-US DPF) |
| Speicherdauer | Tokens: bis User-Disconnect oder 90 Tage Inaktivität (refresh-token-TTL); Verbindungs-Logs: 30 Tage rolling |
| TOMs | AES-256-Encryption-at-rest für Tokens, TLS 1.2+ in Transit, Zugriff auf Token-Tabelle nur durch Backend-Service-Account, Hetzner DE Hosting |
| Löschkonzept | Bei User-Disconnect oder Account-Löschung: vollständige Löschung aller Token-/Profil-Daten aus der Rebreak-DB. Microsoft stellt keinen Drittanbieter-Token-Revoke-Endpoint bereit (siehe Section 5.1) — daher zusätzlich User-Information mit Anleitung zum manuellen Entfernen unter account.microsoft.com → Sicherheit → Berechtigungen für Apps. |
3.2 Sub-AV-Liste aktualisieren
Ja, Microsoft muss als Sub-AV ergänzt werden. Aktuelle Sub-AV-Liste sollte umfassen:
- Hetzner Online GmbH (DE) — Hosting
- Groq Inc. (USA) — Lyra-LLM-Inferenz
- Stripe Payments Europe Ltd. (IE) / Stripe Inc. (USA) — Zahlungsabwicklung
- Cloudflare Germany GmbH / Cloudflare Inc. (USA) — DNS/CDN
- NEU: Microsoft Ireland Operations Ltd. (IE) — IMAP-Postfach-Verarbeitung bei Outlook-Mail-Anbindung
- ggf. weitere Mail-Provider (Google, Apple, GMX, Yahoo) — hier bitte prüfen, ob diese ebenfalls noch nicht im VVT/Sub-AV-Liste stehen
→ Wichtiger Hinweis: Bei den anderen IMAP-Providern (Gmail, iCloud) stellt sich dieselbe Frage wie bei MS. Diese Inkonsistenz im aktuellen VVT sollte mit dieser Gelegenheit mit aufgeräumt werden.
4. Datenschutzerklärung — Update-Pflicht (Art. 13 DSGVO)
4.1 Neuer Textbaustein (Vorschlag, anwaltlich final reviewen lassen)
Verbindung mit Microsoft Outlook (consumer)
Wenn Sie Ihr persönliches Microsoft-Postfach (outlook.com, hotmail.com, live.com, msn.com) mit Rebreak verbinden, nutzen wir das standardisierte OAuth2-Verfahren der Microsoft Identity Platform. Sie loggen sich dabei direkt bei Microsoft ein — Ihre Zugangsdaten erreichen Rebreak zu keinem Zeitpunkt.
Nach erfolgreichem Login speichern wir verschlüsselt:
- einen Access-Token (Lebensdauer ca. 1 Stunde),
- einen Refresh-Token (Lebensdauer bis zu 90 Tage, ohne Nutzung).
Diese Tokens berechtigen Rebreak ausschließlich zu folgenden Zugriffen (OAuth-Scopes, nach Prinzip der Datenminimierung):
IMAP.AccessAsUser.All(Lese-/Lösch-Zugriff auf Ihre E-Mail-Inbox)offline_access(technischer Refresh-Token-Bezug)openid(OAuth-Mindesthygiene)User.Read(Anzeige Ihres Namens in der Rebreak-App nach Verbindungs-Aufbau)Aus Ihrem Microsoft-Konto-Profil lesen wir ausschließlich Ihren angezeigten Namen und Ihre E-Mail-Adresse (Scope
User.Read), um eine freundliche Anzeige der verbundenen Verbindung in der App zu ermöglichen („Verbunden als …"). Keine weiteren Profil-Daten wie Kontakte, Kalender, Fotos, Telefonnummer, Job-Titel oder Manager-Informationen werden gelesen — auch wenn der ScopeUser.Readdies technisch erlauben würde. Wir wenden hier das Prinzip der Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) durch eine technische Selbstbeschränkung im Client-Code an.Sub-Auftragsverarbeiter ist Microsoft Ireland Operations Ltd. (Dublin, Irland). Die Postfach-Verarbeitung erfolgt innerhalb des Microsoft EU Data Boundary (EU/EFTA). In Einzelfällen (Identity-Platform, Support) können Restdaten in die USA übermittelt werden — abgesichert durch die EU-Standardvertragsklauseln (Modul 2/3) und das EU-US Data Privacy Framework.
Sie können diese Verbindung jederzeit in den Rebreak-Einstellungen trennen. Wir löschen in diesem Fall alle bei uns gespeicherten Tokens und Profil-Daten vollständig aus unserer Datenbank. Microsoft stellt Drittanbieter-Apps technisch keinen Token-Widerruf-Endpoint zur Verfügung — für eine vollständige Entfernung der Rebreak-Berechtigung in Ihrem Microsoft-Konto empfehlen wir Ihnen daher, zusätzlich unter
account.microsoft.com → Sicherheit → Berechtigungen für Appsdie App „Rebreak" zu entfernen. Wir blenden Ihnen direkt nach dem Trennen in der App eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu ein.
4.2 Unterschied „OAuth-Token-Storage vs App-Passwort-Storage"
Bei den Anbietern, die wir per App-Passwort anbinden (z.B. GMX, Yahoo, ggf. iCloud), speichern wir ein vom Nutzer im Anbieter-Account erzeugtes Anwendungs-Passwort verschlüsselt in unserer Datenbank. Bei den Anbietern mit OAuth2-Verfahren (Google, Microsoft Outlook) speichern wir stattdessen die zeitlich begrenzten OAuth-Tokens. OAuth ist hierbei das aus Datenschutzsicht vorzugswürdige Verfahren, da die Berechtigungen feiner granuliert, jederzeit per Mausklick im Anbieter-Account widerrufbar und automatisch nach Inaktivität ablaufend sind.
5. Betroffenenrechte
5.1 Recht auf Löschung (Art. 17)
Technische Einschränkung — Microsoft stellt keinen Drittanbieter-Revoke bereit:
Bei der Implementierung des Disconnect-Flows hat sich bestätigt: Die Microsoft Identity Platform unterstützt keinen RFC-7009-konformen revoke_token-Endpoint für Drittanbieter-Apps. Der einzige technisch verfügbare Pfad /oauth2/v2.0/logout beendet lediglich eine User-Browser-Session, invalidiert aber den Refresh-Token nicht (Microsoft Q&A: Identity Platform OAuth2 Revoke Access, Microsoft Q&A: How to revoke OAuth refresh token?).
Refresh-Tokens werden serverseitig bei Microsoft nur in den folgenden Fällen invalidiert:
- Der User ändert sein Microsoft-Passwort.
- Der User entfernt die Rebreak-App manuell unter
account.microsoft.com → Sicherheit → Berechtigungen für Apps. - Die
revokeSignInSessions-Graph-API wird vom User selbst aufgerufen (invalidiert dann alle Refresh-Tokens des Users, nicht nur Rebreak — daher kein geeigneter Anwendungs-Initiierungs-Pfad). - Ablauf der Token-Lebenszeit (90 Tage Inaktivität).
Bewertung im Lichte von Art. 17 DSGVO:
Microsofts OAuth-Plattform unterstützt keinen serverseitigen Token-Widerruf durch Drittanbieter-Apps. Rebreak löscht die gespeicherten Tokens beim User-Disconnect aus der eigenen Datenbank vollständig. Die User-Information enthält den expliziten Hinweis, dass für eine vollständige Trennung die Rebreak-App auch in den Microsoft-Konto-Einstellungen (
account.microsoft.com → Sicherheit → Berechtigungen für Apps) entfernt werden sollte. Damit ist die Datenminimierungs-Pflicht aus Art. 17 in dem Umfang erfüllt, in dem Microsoft als Identity Provider technische Mittel zur Verfügung stellt.
→ Spec für rebreak-backend + rebreak-native: Beim Disconnect/Delete-Flow:
- DB-seitig: Access-Token, Refresh-Token, Token-Ablaufdatum, Display-Name und gespeicherte E-Mail-Adresse des MS-Kontos vollständig aus der Datenbank entfernen (keine Soft-Delete-Flags auf Token-Spalten).
- Audit-Log: Eintrag „mail_connection deleted: provider=microsoft, user_id=…, timestamp=…" — ohne Token-Inhalt.
- User-Information (in-app, sofort nach Disconnect-Bestätigung): Hinweis-Screen mit Schritt-für-Schritt-Anleitung:
„Wir haben Ihre Outlook-Verbindung in Rebreak vollständig gelöscht. Microsoft selbst behält den Zugriffs-Token jedoch bis zur nächsten Inaktivitäts-Phase (max. 90 Tage). Für eine vollständige sofortige Trennung öffnen Sie bitte
account.microsoft.com→ Sicherheit → „App-Berechtigungen verwalten" → wählen Sie „Rebreak" → „Diese App entfernen". - Best-effort Logout-Call: Optionaler Call an
/oauth2/v2.0/logoutist möglich, hat aber keinen Token-revoking Effekt — daher nicht als Compliance-Maßnahme dokumentieren.
Offene Anwalts-Frage (siehe Section 9): Ob die User-Information als alleinige Maßnahme genügt, oder ob zusätzlich z. B. eine E-Mail-Erinnerung nach X Tagen versendet werden sollte.
5.2 Auskunftspflicht (Art. 15)
Im Datenexport-Endpoint muss enthalten sein:
- Für jede aktive Mail-Verbindung: Provider (Outlook), verbundene E-Mail-Adresse, Verbindungs-Zeitpunkt, die erteilten OAuth-Scopes (als lesbare Liste, nicht die kryptischen Scope-Strings), Token-Ablaufdatum.
- NICHT den Token-Inhalt selbst.
6. Art. 9 DSGVO — Besondere Kategorie (Suchterkrankung)
6.1 Der „Outing-Effekt" gegenüber Microsoft
Wenn ein User im OAuth-Consent-Screen liest „Rebreak (Anti-Glücksspiel-App) möchte auf Ihr Postfach zugreifen", erfährt Microsoft mittelbar, dass dieser MS-Account-Inhaber eine Anti-Sucht-App nutzt.
Bewertung: Keine Verarbeitung im Sinne von Art. 9 Abs. 1 durch Microsoft, weil MS keinen inhaltlichen Bezug herstellt. ABER: für den User ist die Sichtbarkeit relevant.
→ Empfehlung — User-Information vor Consent:
Hinweis: Microsoft zeigt Ihnen im nächsten Schritt einen Berechtigungsdialog. Der App-Name „Rebreak" erscheint dort und wird in Ihrer Microsoft-Konto-Übersicht unter „App-Berechtigungen" sichtbar. Falls Ihr Microsoft-Konto von anderen Personen mitgenutzt wird, sollten Sie das berücksichtigen.
6.2 Rechtsgrundlage Art. 9 Abs. 2
Status quo (vor DiGA-Listung) — Empfehlung: Art. 9 Abs. 2 lit. a (ausdrückliche Einwilligung)
→ Praxis-Frage: Wird die Art. 9-Einwilligung schon explizit für Gmail/iCloud/GMX-Connections eingeholt? Wenn nein, ist das ein bestehender Compliance-Gap.
Vorschlag Consent-Text (anwaltlich review):
Mit der Verbindung meines E-Mail-Postfachs willige ich ausdrücklich ein, dass Rebreak in meinem Postfach gezielt nach Glücksspiel-Werbemails sucht und diese löscht. Mir ist bewusst, dass aus dieser Verarbeitung Rückschlüsse auf eine Suchterkrankung möglich sind, und ich willige in diese Verarbeitung von Gesundheitsdaten gem. Art. 9 Abs. 2 lit. a DSGVO ausdrücklich ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen, indem ich die Mail-Verbindung in den Einstellungen trenne.
Zukunft (bei DiGA-Listung) — Wechsel auf Art. 9 Abs. 2 lit. h DSGVO.
7. DiGA-Aspekte
Kurzantwort: Microsoft als zusätzlicher Sub-AV macht den BfArM-Antrag marginal komplexer, nicht qualitativ anders.
- Microsoft ist datenschutzrechtlich „besser dokumentiert" als Groq und Stripe.
- ISO 27001, ISO 27018, BSI-C5-zertifiziert für Exchange Online (Microsoft Trust Center).
- DPA + DPF + EU Data Boundary erfüllen die „Stand der Technik"-Anforderung für einen Sub-AV.
→ Aktion: Microsoft als Sub-AV in das spätere DiGA-Datenschutz-Konzept-Dokument aufnehmen.
8. Konkrete To-Do-Liste, priorisiert
| # | Aktion | Owner | Frist | Blocker für Outlook-Go-Live? |
|---|---|---|---|---|
| 1 | VVT-Zeile „Outlook-IMAP via MS Identity Platform" ergänzen | Brini (DSB-Vorlage liefere ich) | vor Go-Live | Ja |
| 2 | Sub-AV-Liste in Datenschutzerklärung um Microsoft Ireland erweitern | Brini + Anwalt-Review | vor Go-Live | Ja |
| 3 | Datenschutzerklärungs-Textbaustein „Outlook-Anbindung" + „OAuth vs App-Passwort" einfügen | Brini + Anwalt-Review | vor Go-Live | Ja |
| 4 | Art. 9-Einwilligungs-Flow im Mail-Connect-Onboarding implementieren (sofern noch nicht für andere Provider vorhanden) | rebreak-native + rebreak-backend | vor Go-Live | Ja |
| 5 | Vollständige DB-seitige Löschung aller MS-Token-/Profil-Daten bei Disconnect + Account-Löschung (kein Soft-Delete) | rebreak-backend | vor Go-Live | Ja |
| 6 | User-Information-Screen bei Disconnect mit Schritt-für-Schritt-Anleitung zum manuellen Entfernen unter account.microsoft.com (siehe Section 5.1) |
rebreak-native + rebreak-backend | vor Go-Live | Ja |
| 7 | Datenexport-Endpoint (Art. 15) um mail_connections-Block (inkl. Display-Name + erteilte Scopes) ergänzen, falls nicht vorhanden |
rebreak-backend | binnen 30 Tagen nach Go-Live | Nein |
| 8 | TIA (Transfer Impact Assessment, 2-3 Seiten) für MS-Sub-AV erstellen | DSB-Draft, Brini-Freigabe | binnen 30 Tagen nach Go-Live | Nein (aber dringend) |
| 9 | Anwaltliche Klärung „greift MS-DPA bei reiner OAuth-App-Registration?" | Anwalt | binnen 60 Tagen | Nein, aber Risiko-Minderung |
| 10 | Anwaltliche Klärung „User-Information vs. zusätzlicher Mail-Reminder zur Erfüllung Art. 17" (siehe Section 9) | Anwalt | binnen 60 Tagen | Nein |
| 11 | Microsoft-Sub-AV in DiGA-Datenschutz-Konzept einbauen | DSB + rebreak-strategist | wenn DiGA-Antrag aktuell wird | Nein |
| 12 | Bestehenden VVT auf Konsistenz prüfen (Gmail/iCloud/GMX als Sub-AV?) | DSB-Audit | binnen 60 Tagen | Nein (aber wichtig für Konsistenz) |
9. Was ich nicht entscheiden kann (Anwalts-Themen)
- Vertragsrechtliche Bindung der MS-DPA an OAuth-App-Registrationen ohne kommerzielle Lizenz — gehört in eine kurze juristische Stellungnahme.
- Finaler Wortlaut der Einwilligungserklärung Art. 9 — Einwilligungstexte sollten anwaltlich gegen UWG/AGB-Recht geprüft sein.
- Finaler Wortlaut der Datenschutzerklärungs-Änderungen — Ich liefere DSB-Vorlagen, die juristische Abnahme bleibt Anwalt.
- AGB-Anpassung für das veränderte Verfahren (App-Passwort → OAuth).
- Art. 17-Erfüllung trotz fehlendem MS-Revoke-Endpoint (siehe Section 5.1) — konkret: Erfüllt die in-app User-Information mit Anleitung zum manuellen Entfernen unter
account.microsoft.comdie Art. 17-Pflicht ausreichend, oder müssen wir zusätzlich z. B. eine E-Mail-Erinnerung nach X Tagen versenden, bzw. eine schriftliche Bestätigung der erfolgten Entfernung anfordern? Hier wäre auch eine kurze Einschätzung wertvoll, ob die fehlende technische Revoke-Möglichkeit als Haftungs-Risiko für Rebreak einzustufen ist oder als „auf Seite des Identity Providers liegend" akzeptiert wird.
10. Quellen
- Microsoft Products and Services Data Protection Addendum (DPA), Sept 2025 — aka.ms/DPA
- Microsoft EU Data Boundary — Microsoft Learn
- Microsoft Trust Center — EU Data Boundary Overview
- Microsoft EU Data Boundary Completion — Microsoft On the Issues, 26.02.2025
- Microsoft European Digital Commitments — One Year On, 29.04.2026
- Microsoft Identity Platform — OIDC Single Sign-Out / Token Revocation
- Microsoft Q&A — Identity Platform OAuth2 Revoke Access (kein Drittanbieter-Revoke-Endpoint)
- Microsoft Q&A — How to revoke OAuth refresh token? (Bestätigung der technischen Limitation)
- Microsoft Learn — Refresh tokens in the Microsoft identity platform
- Microsoft Graph —
revokeSignInSessions(invalidiert alle Refresh-Tokens des Users, nicht nur Rebreak) - EU-Standardvertragsklauseln 2021/914 — Europäische Kommission
- EDPB Recommendations 01/2020 — Supplementary Measures (TIA-Grundlage)
- BfArM DiGA-Leitfaden (Datenschutz-Anforderungen)
- DSGVO: Art. 6, 9, 13, 15, 17, 28, 30, 32, 33, 35 sowie Kapitel V
Mit freundlichen Grüßen Hans Müller Externer Datenschutzbeauftragter, Rebreak